Was ist Amateurfunk?

Technik, Kommunikation und Gemeinschaft — eine Einführung in das vielfältige Hobby Amateurfunk.

Faszination drahtlose Kommunikation

▶ Amateurfunk in 60 Sekunden
Ein kurzer Einblick in das Hobby Amateurfunk (YouTube).

Der erste Kontakt mit Amateurfunk

Kurzwellen-Antenne

Amateurfunk ist ein technisches Hobby, das Leute mit Interesse an Elektronik und Kommunikation zusammenbringt. Wahrscheinlich ist beinahe jeder schon einmal bewusst oder unbewusst mit Amateurfunk in Kontakt gekommen. Wer mit offenen Augen durch Städte und Dörfer geht und den Blick aufmerksam über die Dächer schweifen lässt, hat meistens schnell Erfolg. Amateurfunkstationen benötigen Antennen, Drähte, vertikale Stäbe oder auffällige, oft recht umfangreiche Konstruktionen. Amateurfunkerinnen und Amateurfunker sind offen und gerne bereit, Fragen zu beantworten. Ideal ist der persönliche Kontakt mit einer aktiven Funkamateurin oder einem aktiven Funkamateur, der gerne Auskunft gibt und Zutritt zur Funkstation gewährt.

Lokale Vereine sind ebenfalls ideale Kontaktpunkte. Adressen und Webseiten der regionalen Vereine finden Sie hier. Anfragen können auch direkt an das ✉ Sekretariat der USKA gerichtet werden. Teilen Sie in jedem Fall Ihren Wohnort mit, damit Sie an die nächstliegende Kontaktstelle verwiesen werden können.

So werde ich Funkamateur

Viele Funkamateurinnen und Funkamateure sind ganz zufällig auf dieses exklusive Hobby gestossen. Andere haben den Einstieg über die berufliche Ausbildung gefunden, und wieder andere sind im Rahmen einer militärischen Ausbildung mit der drahtlosen Kommunikation erstmals in Kontakt gekommen. Jede und jeder hat ihren beziehungsweise seinen ganz persönlichen Werdegang.

Lizenzantrag ausfüllen

Funkamateurinnen und Funkamateure haben als Grundlage ihrer Tätigkeit eine Prüfung zu bestehen. Sie ist in der Schweiz beim Bundesamt für Kommunikation BAKOM abzulegen und umfasst Grundlagen der Elektrotechnik und der Elektronik sowie Vorschriften über den Aufbau und den Betrieb der Funkstation. Die notwendigen Kenntnisse können entweder in entsprechenden Schulen, in Fernkursen oder durch den Besuch von Kursen mit meist wöchentlichen Lektionen erworben werden, wie sie von einigen Sektionen der USKA oder anderen Gruppen angeboten werden.

Für die Aktivität auf Kurzwelle ist der Nachweis der Fähigkeit zum Aufnehmen und Geben von Morsezeichen seit dem Jahr 2003 nicht mehr notwendig. Trotzdem wird die Morsetelegrafie auch weiterhin als äusserst effiziente Betriebsart gepflegt und erfreut sich weiter Verbreitung.

Weitergehende Informationen: Wie werde ich Funkamateur?

Amateurfunk ist sehr vielfältig

Eine vollständige Darstellung der Möglichkeiten, die der Amateurfunk den Aktiven eröffnet, ist kaum möglich. Auf dieser Seite vermitteln wir Aspekte zu einzelnen Bereichen sowie Links auf weitergehende Informationsquellen.

Werkplatz für Elektronikbasteln

Amateurfunk ist ein Experimentierfeld, aus dem in der Vergangenheit immer wieder zukunftsweisende Technologien und Verfahren der Informationsübermittlung hervorgegangen sind. Daran hat sich seit den Anfängen der drahtlosen Kommunikation bis heute nichts geändert. Seit der Erfindung der Morsetelegrafie und des Sprechfunks haben in den letzten Jahrzehnten viele neue digitale Formen der drahtlosen Kommunikation Einzug gehalten. Die Tatsache, dass eine Funkverbindung über Kontinente hinweg selbst mit geringem technischen Aufwand möglich ist, fasziniert immer wieder aufs Neue.

Der Computerfreak findet hier ebenso Entfaltungsmöglichkeiten wie der begabte Bastler. Eine der Exklusivitäten dieses Hobbys ist die Möglichkeit, elektronische Geräte selbst bauen und auch betreiben zu dürfen. Dieser Eigenbau hatte früher einen sehr hohen Stellenwert, ist heute jedoch durch ein sehr umfangreiches kommerzielles Angebot weitgehend ersetzt worden. Die Funkamateurin und der Funkamateur sind aber heute noch Tüftler und „Erfinder». Schon der Aufbau der eigenen Funkstation erfordert Kreativität und die Entwicklung eigener Ideen für die Auswahl der Geräte und den Bau von Antennen.

Für viele ist dieses Hobby ideal, um Fremdsprachen zu pflegen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, mit anderen Funkamateurinnen und Funkamateuren in aller Welt in Kontakt zu treten, ohne dass man der Sprache des Partners mächtig ist. Der Schlüssel dazu ist das Morsen, die Telegrafie.

Die Funkstation

Jede Funkamateurin und jeder Funkamateur baut die Funkstation nach den persönlichen Vorstellungen und Möglichkeiten auf. Die Vielfalt an Varianten ist unerschöpflich. So gibt es als Minimalvariante das kleine Funkgerät, das in einer Ecke der Wohnung ganz unauffällig auf seinen Einsatz wartet. Glücklich, wer ein eigenes Zimmer für die Funkstation zur Verfügung hat. Solche Räume strahlen eine Mischung von Gemütlichkeit und Faszination aus, die man erlebt haben muss. Allen Varianten ist jedoch etwas gemeinsam: Die technischen Komponenten wurden mit viel Fachkompetenz ausgewählt und werden gehegt und gepflegt. Oft sind sowohl sehr moderne Geräte als auch nostalgische Sende-Empfänger an derselben Station zu finden. Es gibt kaum zwei Funkstationen mit einem identischen technischen Aufbau.

Wie teuer ist eine Funkstation? Das ist eine oft gestellte Frage. Mit gebrauchten Geräten und einfachen Antennen lässt sich eine funktionstüchtige Station mit relativ kleinem Aufwand aufbauen. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Jede und jeder entscheidet selbst, wie viel investiert wird — genauso wie beim Kauf eines Autos.

Übrigens: Das Bild der Funkamateurin oder des Funkamateurs, der mit aufgesetzten Kopfhörern bis tief in die Nacht hinein an einer schwach beleuchteten Funkstation sitzt, ist gar nicht so falsch.

Eine typische Amateurfunkstation

Die Betriebsarten

Unter Betriebsarten verstehen wir die verschiedenen technischen Möglichkeiten der Informationsübertragung.

Die älteste Betriebsart ist die Telegrafie (Morsen). Das Morsealphabet, erfunden um 1840 durch Samuel Morse, wird heute noch in unveränderter Form angewendet. Hier kommen international genormte Abkürzungen zur Anwendung — sozusagen ein „Amateurfunk-Esperanto». Dadurch kann die zur Übermittlung benötigte Zeit sehr kurz gehalten werden. Zudem können Personen miteinander kommunizieren, die keine gemeinsame Sprache sprechen. Ein Beispiel:

Telegrafie: tnx fer ufb qso / hpe cuagn / best 73
Klartext: Danke für die ausgezeichnete Verbindung / ich hoffe, Sie wieder zu treffen / die besten Grüsse

Warum ist die Telegrafie heute noch so aktuell? Ein kurzer Exkurs: Die Bandbreite eines Telegrafie-Signals beträgt nur etwa 10 % der Bandbreite, die für eine Sprechfunkverbindung (SSB) notwendig ist. Mit Telegrafie wird also nur 1/10 der Sendeleistung benötigt, um mit gleicher Feldstärke empfangen zu werden — oder anders ausgedrückt: Mit Telegrafie und einer bestimmten Sendeleistung lassen sich Distanzen überbrücken, die mit Sprechfunk nicht möglich sind. Der technische Aufwand zur Erzeugung eines Morsesignals ist viel geringer als die Aufbereitung der Modulation von Sprechfunk. Liebhaberinnen und Liebhaber von kleinen Sendeleistungen (QRP) sind deshalb bevorzugt in Telegrafie anzutreffen.

Telefonie, auch Sprechfunk genannt, ist die Kommunikation in offener Sprache. Die Amplitudenmodulation (AM) wurde durch die Einseitenbandtechnik (SSB) abgelöst. Frequenzmodulation (FM) findet sich vor allem auf Frequenzen oberhalb von 144 MHz sowie in einigen Bereichen des 10-m-Bandes. Verbindungen in Sprechfunk erfordern entsprechende Sprachkenntnisse.

Die digitalen Betriebsarten sind Entwicklungen, die in ihrer Vielfalt erst mit der Verbreitung der Computertechnik möglich wurden. AMTOR, PACTOR, Packet Radio, BPSK und Fernschreiben (RTTY) sind nur einige davon. Sie zeichnen sich teilweise dadurch aus, dass mit minimalster Sendeleistung sehr grosse Distanzen überwunden werden können. Eine der neueren Betriebsarten ist FT8, mit der noch Verbindungen realisiert werden können, deren Signal tief im Rauschen liegt — eine Tatsache, die ab 2017 zu einer explosionsartigen Verbreitung dieser Betriebsart geführt hat. Eine ganz spezielle digitale Betriebsart ist die Übertragung von farbigen Bildern via Amateurfunk-Fernsehen (SSTV) auf Kurzwelle.

Amateurfunk steht im Dienst der Öffentlichkeit

Funkamateurinnen und Funkamateure verfügen über exklusive Fähigkeiten. Verschiedenste Organisationen rekrutieren deshalb ihr Personal aus unseren Reihen. Bestimmte Spezialeinheiten der Armee bestehen mehrheitlich aus Funkamateuren. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen waren irgendwo auf der Welt im Einsatz für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz IKRK oder die Schweizerische Katastrophenhilfe. Schon oft konnten Funkamateure in Notfällen weltweit Hilfe organisieren oder die Verbindung zwischen Katastrophenorten und Einsatzkräften sicherstellen. Die Mitglieder der Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure USKA sowie Organisationen in anderen Ländern haben sich im Bereich „Notfunk» regional und landesweit organisiert.