SDR

Software Defined Radio — Funkgeräte, deren Signalverarbeitung in Software geschieht. Die Technik steckt heute in fast jedem modernen Transceiver, in günstigen USB-Sticks, in Internet-Empfängern und im QO-100-Satelliten.

Software Defined Radio (SDR) bezeichnet Funkempfänger und -sender, bei denen möglichst viel der Signalverarbeitung — Filterung, Selektion, Demodulation — nicht in fester Analog-Hardware, sondern in Software geschieht. Modulationsart, Bandbreite oder Dekodierverfahren lassen sich dadurch allein per Software ändern, ohne Lötkolben. Was vor 20 Jahren ein Experimentierfeld war, ist heute Alltag: fast jeder moderne Amateurfunk-Transceiver ist im Innern ein SDR.

Wie ein SDR arbeitet

Im Idealfall besteht ein SDR-Empfänger nur aus Antenne, einem Analog-Digital-Umsetzer und einem Rechner: Das Antennensignal wird digitalisiert, alles Weitere erledigt Software. In der Praxis sitzt davor etwas Analogtechnik (Filter, Vorverstärker). Verbreitet sind die direkte Abtastung (das Signal wird unmittelbar digitalisiert) und der Direktmisch-Empfänger nach dem I/Q-Verfahren. Kern ist in beiden Fällen das I/Q-Signal — zwei um 90° versetzte Signalzweige, aus denen die Software Frequenz, Phase und Modulation rekonstruiert.

Moderne Transceiver — das SDR im Gerät

Neben dem weit verbreiteten Icom IC-7300 arbeiten Geräte wie der IC-705, Yaesu FTDX10, Kenwood TS-890 oder die FlexRadio-Serie softwarebasiert. Sichtbares Markenzeichen ist das Wasserfall-Display (Panadapter): Man sieht das ganze Band auf einen Blick und klickt eine Station direkt an. Modus, Filterbandbreite und Rauschminderung sind reine Software-Einstellungen — und Firmware-Updates bringen neue Funktionen ohne neue Hardware.

RTL-SDR — der günstige Einstieg

Der billigste Weg ins SDR führt über einen RTL-SDR: ursprünglich DVB-T-Fernsehsticks mit dem Realtek-Chipsatz RTL2832U, die sich mit einem alternativen Treiber in einen Breitband-Empfänger verwandeln (je nach Tuner etwa 24 MHz bis 1,7 GHz) — für rund 30 Franken. Damit lassen sich Amateurbänder, Flugfunk, Wettersatelliten oder die ADS-B-Positionsdaten von Flugzeugen empfangen. Für Kurzwelle braucht es einen Konverter oder einen direkt HF-tauglichen Stick (RTL-SDR Blog V3/V4); die passende Empfangssoftware zeigt der Abschnitt Software.

RTL-SDR Blog V4 — RTL-SDR-Stick, direkt HF-tauglich
RTL-SDR Blog V4 — ein direkt HF-tauglicher RTL-SDR-Stick. Bild: RTL-SDR Blog

WebSDR — Empfänger im Internet

Man braucht nicht einmal eine eigene Antenne: Über einen WebSDR oder KiwiSDR hört man fremde Empfänger weltweit direkt im Browser — praktisch, um die eigene Aussendung zu kontrollieren, die Ausbreitung zu prüfen oder ohne lokalen Störnebel zu hören. In der Schweiz stehen unter anderem Empfänger von HB9RYZ (Rigi Scheidegg, 1’660 m), dem Funkclub Schlössli HB9RE, HB9HEH (Hasenberg) und HB9CWK (bei Bern) offen. Eine gepflegte Liste Schweizer Stationen führt HB9RE; weltweite Verzeichnisse sind websdr.org und die KiwiSDR-Karte.
Den Amateurfunk-Satelliten QO-100 hört man auf der BATC/AMSAT-UK-WebSDR live – sowohl den Schmalband-Transponder (SSB, CW, digitale Modi) als auch den Breitband-Transponder mit DATV-Fernsehbetrieb.

Software und offene Projekte

Zum Empfangen, Abstimmen und Anzeigen des Wasserfalls gibt es zahlreiche Programme. Weit verbreitet sind SDR# (SDRSharp) und das moderne, plattformübergreifende SDR++; dazu SDR Console (mit starken Satelliten- und Mehrempfänger-Funktionen), HDSDR unter Windows und GQRX unter Linux/macOS.

Mit rtl_433 lässt sich das Gewimmel der kleinen Funksensoren im 433/868-MHz-ISM-Band dekodieren — Wetterstationen, Reifendruck-Sensoren (TPMS), Türklingeln, Funksteckdosen und vieles mehr. Ein einfacher RTL-SDR-Stick genügt, um sichtbar zu machen, was rund ums Haus alles funkt.

Wer selbst Funksysteme bauen will, nutzt GNU Radio, einen Baukasten aus Signalverarbeitungsblöcken; ein browserbasierter Mehrbenutzer-Empfänger ist OpenWebRX.
Und für die ganz Innovativen: Claude Code oder Codex CLI schreibt für euch ganze Python-Programme für einen RTL-SDR-Dongle, die genau das aus dem Spektrum herausholen, was ihr schon immer wollt. Grossartig!